Prof. Dr. Matthias Leanza
Professor
Matthias Leanza
Philosophisch-Historische Fakultät
Departement Gesellschaftswissenschaften
Fachbereich Soziologie

Professor

Petersgraben 27
4051 Basel
Schweiz

Tel. +41 61 207 61 34
matthias.leanza@unibas.ch

Matthias Leanza ist Inhaber einer durch den Schweizerischen Nationalfonds (SNF) geförderten Professur an der Schnittstelle von Historischer Soziologie und Soziologiegeschichte. Sein Projekt untersucht, wie sich die Sozialwissenschaften nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Entkolonialisierung auseinandersetzten und diesen Prozess aktiv mitgestalteten. Im Mittelpunkt stehen Konzepte gesellschaftlicher und politischer Modernisierung, die eine Welt nach dem Ende der Imperien vorstellbar machten und zur Etablierung des souveränen Nationalstaats als globaler Norm beitrugen. Zugleich veränderte die Erfahrung der Dekolonisation den begrifflichen und methodischen Haushalt der Sozialwissenschaften nachhaltig und hinterließ ein intellektuelles Erbe, das bislang nur unzureichend aufgearbeitet wurde. Das Projekt stützt sich auf umfangreiche Archivrecherchen in den USA und entwickelt eine Wissenssoziologie situierter Felder.

Seine Forschung lässt sich von der grundlegenden Annahme leiten, dass die Kerninstitutionen moderner Gesellschaften – wie der Nationalstaat – nur unter Berücksichtigung ihrer globalen Entstehungsbedingungen adäquat rekonstruiert werden können. Globalisierung erscheint so weniger als Folge der Moderne denn als Kontext, in dem ihre Institutionen entstanden. Seine an der Universität Basel verfasste Habilitationsschrift entfaltet diesen Gedanken am Beispiel des deutschen Nationalstaats. Die auf Archivforschung in Europa und Afrika beruhende Studie zeigt, wie die überseeische Expansion zur Konsolidierung des heimischen Nationalstaats beitrug und welche Mechanismen dabei wirksam waren. Das Buch erscheint 2026 bei Cambridge University Press.

Nach seinem Soziologiestudium an der Universität Bielefeld wurde er 2016 an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg mit einer Studie zur präventiven Konstruktion der Zukunft promoviert. Das University College Freiburg zeichnete die Arbeit mit dem Erasmus Prize for the Liberal Arts and Sciences aus. Neben seiner Forschung engagiert er sich für die institutionelle Stärkung der Historischen Soziologie im deutschsprachigen Raum. Er ist im Arbeitskreis Historische Soziologie der Deutschen Gesellschaft für Soziologie aktiv und verfasst eine Einführung in die Historische Soziologie. Zudem ist er Mitglied im Herausgebergremium der Schweizerischen Zeitschrift für Soziologie.

Fellowships und Gastaufenthalte führten ihn an renommierte Forschungseinrichtungen wie die University of Michigan, die University of Virginia, das Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung (ZfL) Berlin sowie das Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld. Zuletzt war er im akademischen Jahr 2023–24 Fellow am Käte Hamburger Kolleg «global dis:connect» der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Einen CV finden Sie [hier]; die vollständige Publikationsliste ist [hier] abrufbar.

  • Historische Soziologie
  • Sozial- und Gesellschaftstheorie
  • Soziologiegeschichte
  • Imperien- und Kolonialismusforschung
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