Ein wesentlicher Teil der Forschung am Arbeitsbereich Sozialstrukturanalyse liegt in der politischen Soziologie. Der Fokus liegt dabei auf Aspekten der Legitimation, Repräsentation, gesellschaftliche Cleavages und Gelegenheitsstrukturen im politischen System. In der Forschung am Arbeitsbereich wird die Analyse gesellschaftlicher Ordnungen mit der Untersuchung relevanter Akteure verbunden. Neben dem Wandel von Interessenverbänden und Organisationen sowie der Analyse neuer sozialer Bewegungen steht das Verhältnis von Demokratie, Ungleichheit, Partizipation und Konflikt im Mittelpunkt der Forschungsinteressen. In der jüngeren Zeit beschäftigt sich der Arbeitsbereich vor allem mit neuen Formen des Neo-Autoritarismus und dem Wandel der politischen Repräsentation.

Autoritarismus und Zivilgesellschaft

Projektleitung: Prof. Dr. Oliver Nachtwey
Projektteam: Maurits Heumann, Flurin Dummermuth
Projektlaufzeit: 11.2017-1.2019
Finanziert durch: Auftragsforschung Campact

Die explorative Studie Autoritarismus und Zivilgesellschaft ist in Zusammenarbeit mit der Bewegungsorganisation Campact e.V. entstanden. Wir führten 16 narrative Interviews mit Campact SympathisantInnen und sammelten mit Hilfe eines standardisierten Fragebogens soziostrukturelle Daten. Die gleichzeitige Bezugnahme der Befragten auf Campact und AfD verwies auf linksliberales Engagement und Nähe zu autoritärer Politik. Diesen scheinbaren Widerspruch nahmen wir zum Ausgangspunkt, um nach neo-autoritären Formen politischer Partizipation zu fragen. Bei der Analyse und Auswertung des Datenmaterials zeigen sich Varianten eines neuen Autoritarismus, die sich gruppen- und situationsspezifisch ausprägen und als zivilgesellschaftliche Reaktionsformen auf gesteigerte Anomievulnerabilitäten gedeutet werden können. Mit unserer Studie tragen wir zu einem besseren Verständnis der heterogenen Praxisformen und normativen Orientierungen des neuen Autoritarismus bei.

Halb-Wahrheiten. Wahrheit, Fiktion und Konspiration im 'postfaktischen' Zeitalter

Principal Investigator: Prof. Dr. Nicola Gess
Co-Investigator: Prof. Dr. Oliver Nachtwey, Dr. Cornelius Puschmann
Project Member: Carolin Amlinger
Projektlaufzeit: 1.9.2019-31.8.2023
Finanziert durch: Schweizerischer Nationalfonds (SNF)

Das Projekt, das am 1.9.2019 startet und vier Jahre laufen wird, beschäftigt sich mit der Funktion, Verbreitung und Evolution von Halbwahrheiten im sogenannten 'postfaktischen' Diskurs und allgemeiner mit der Frage, wie dort das Fiktive im Faktualen heimisch wird. Zwei Teilprojekte untersuchen Beispiele aus dem Kontext des gegenwärtigen deutschen Rechtspopulismus: Das Projekt Konspirative Halbwahrheiten. Pegida-Diskurse in den sozialen Netzwerken untersucht die Kommunikation von Pegida-Anhängern auf Facebook und Twitter und legt das Augenmerk insbesondere auf Konspirations- und Katastrophennarrative. Das Projekt Analoge Verschwörungen. Paranoia, Fiktion und Populismus in der Postdemokratie untersucht konspirative Erzählungen in Sachtexten, Belletristik und Veranstaltungen rechtspopulistischer Publikationsorgane.

Ausgewählte Publikationen:

Nachtwey, O. (2019) «System ohne Stabilität. Der Niedergang der Volksparteien», Blätter für deutsche und internationale Politik. Blätter Verlagsgesellschaft, 65(2), S. 95-102.   edoc
Nachtwey, O. und Heumann, M. (2019) «Regressive Rebellen und autoritäre Innovatoren: Typen des neuen Autoritarismus», Berliner Journal für Soziologie. Springer, Sonderband "Große Transformation? Zur Zukunft moderner Gesellschaften", S. 435-454.   
Nachtwey, O. und Jörke, D. (2017) «Die rechtspopulistische Hydraulik der Sozialdemokratie. Zur politischen Soziologie alter und neuer Arbeiterparteien», Leviathan: Berliner Zeitschrift für Sozialwissenschaft. Nomos, Sonderband 32, S. 161-186.   edoc
Nachtwey, O. (2017) «Citizenship-Proteste? Zum Wandel des sozialen Konflikts», Leviathan: Berliner Zeitschrift für Sozialwissenschaft. Nomos, 45(Sonderband 33), S. 147-170.   edoc
Nachtwey, O. (2017) «Entzivilisierung. Über regressive Tendenzen in westlichen Gesellschaften», in Geiselberger, H. (Hrsg.) Edition Suhrkamp. Sonderdruck. Berlin: Suhrkamp (Die grosse Regression. Eine internationale Debatte über die geistige Situation der Zeit), S. 215-231.   edoc
Nachtwey, O. (2016) «Pegida und das marktkonforme Ressentiment», in Benz, W. (Hrsg.). Berlin: Metropol (Fremdenfeinde und Wutbürger. Verliert die demokratische Gesellschaft ihre Mitte?), S. 135-150.   edoc